(Bild: Verbio)
Erschienen in: Energy 2.0 Oktober 2008, S. 30
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Biogas und Bioethanol kombiniert erzeugen

Umweltschonendes Verfahren zur nachhaltigen Treibstoffproduktion

Durch eine Optimierung der gesamten Wertschöpfungskette vom Bauern bis zur Tankstelle lassen sich bei der kombinierten Herstellung von Bioethanol, Biogas und Biodünger im Vergleich zu fossilen Brennstoffen große Mengen an Kohlendioxid einsparen. Für eine umweltfreundliche Gesamtbilanz kommt es allerdings auf die Nachhaltigkeit jedes Prozessschrittes an. * Claus Sauter

Mit wachsender Besorgnis über steigende Treibhausgasemissionen, Verfügbarkeiten und höhere Kosten für fossile Energieträger wurde politisch die Einführung eines Maßnahmenpaketes veranlasst, das eine stärkere Nutzung umweltfreundlicher Brennstoffquellen sicherstellen soll. Danach müssen bis 2020 in allen Mitgliedsländern der Europäischen Union 10 Prozent des Benzin- und Dieselverbrauchs im Verkehrssektor aus „erneuerbaren Quellen“ abgedeckt werden. Diese Ankündigung hat zu großen Kontroversen geführt. Verschiedene Gruppen mahnen an, dass derartige Maßnahmen sich negativ auf die Umwelt auswirken, dass wertvolle Ökosysteme zerstört und mehr Treibhausgase produziert als eingespart würden. Zudem führe eine solche Politik zu einem Anstieg der Lebensmittelpreise und zu noch mehr Armut und Hunger in den Entwicklungsländern.

Vorstandsvorsitzender von Verbio Vereinigte BioEnergie in Leipzig T +49/341/30853090 F +49/341/30853099 info@verbio.de

* Verbio

Fallende Rohstoffpreise

Angesichts in den letzten Monaten wieder deutlich fallender Preise für Weizen und Raps – trotz unveränderter Nachfrage der Biokraftstoffhersteller – erweisen sich diese Bedenken als nicht gerechtfertigt. Sämtliche Studien, in denen Biokraftstoffen die Schuld an der Verteuerung von Nahrungsmitteln gegeben wird, sind damit offenbar Makulatur.

Obwohl für die Herstellung von Ethanol in Europa Zuckerrüben und Getreide Verwendung finden, werden deshalb Nahrungsmittel nicht knapp. Jahrelang wurden wegen einer verfehlten EU-Agrarpolitik Überschüsse produziert und zu Dumping-Preisen weltweit verschleudert: Butter nach Russland, Milchpulver nach Afrika. Mit derartigen Spottpreisen konnten viele Bauern in Entwicklungsländern nicht konkurrieren. Geholfen hat dies weder den EU-Bauern noch der Dritten Welt und auch nicht den Verbrauchern, die billige Nahrungsmittel über hohe Steuern vorfinanzieren mussten. Das hat sich zum Glück geändert: Landwirtschaft lohnt sich wieder – in Deutschland und in den Entwicklungsländern. Dabei können Biokraftstoffe zu einer Reduzierung von Treibhausgasemissionen beitragen. Im Gegensatz zu Erdölfeldern erneuert sich die für Biokraftstoffe verwendete Biomasse nach jeder Ernte. Durch Photosynthese nehmen Pflanzen Sonnenenergie auf und binden CO 2 aus der Atmosphäre. Die so entstehende Pflanzenmasse kann zu Biokraftstoffen verarbeitet und traditionellen Kraftstoffen beigemischt oder als Reinkraftstoff verwendet werden, was dazu beiträgt, das bei der Verbrennung in Motoren produzierte Kohlendioxid zu reduzieren. Die CO 2 -Einsparungen hängen vom Rohstoff und der Herstellungsweise des Biokraftstoffs ab. Mit umweltschonenden Verfahren hergestellte Biokraftstoffe bieten im Vergleich zu traditionellen, fossilen Brennstoffen große CO 2 -Einsparungsmöglichkeiten.

Zentrales Thema „Nachhaltigkeit“

Das zentrale Thema heißt „Nachhaltigkeit“, und darauf muss sich die Biokraftstoffindustrie einstellen. Nachhaltigkeit bedeutet in diesem Fall, dass Kraftstoff aus nachwachsenden Rohstoffen einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leisten muss. Der Biokraftstoffhersteller und -anbieter Verbio hat sich bereits in der Vergangenheit intensiv mit dem Thema beschäftigt. Eine beim Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU) beauftragte Studie belegt, dass Biokraftstoffe des Leipziger Unternehmens nach Fertigstellung einer geplanten Biogasproduktion gegenüber fossilen Kraftstoffen CO 2 -Einsparungen von mehr als 80 Prozent aufweisen werden. Damit erfüllt das Unternehmen bereits heute die Kriterien für die 2. Generation Biokraftstoff. Verbio kann damit als erster Produzent weltweit solche Biokraftstoffe in signifikanten Mengen zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten.

Während viele Bioethanolproduzenten in Asien und Südamerika weiter Regenwald roden um Biokraftstoffe zu produzieren, setzt Verbio in Ostdeutschland auf CO 2 -Einsparung durch die Kontrolle der gesamten Wertschöpfungskette vom Bauern bis zur Tankstelle. Dabei muss die Rohstoffausnutzung möglichst hoch sein. So wurden bereits in der Vergangenheit Anlagen in Regionen gebaut, aus deren Umkreis die Rohstoffe ohne lange Transportwege bezogen werden konnten. Bei der Bioethanolproduktion setzt das Unternehmen auf Roggen und ist damit auch der einzige Hersteller, der diesen Rohstoff für die Produktion von Ethanol nutzt. Ein Vorteil dieser Getreidesorte ist es, dass sie keine nährstoffreichen Böden und kaum Düngung benötigt. Zudem wird Roggen nur bedingt in der Nahrungsmittelindustrie nachgefragt.

Nach Fertigstellung geplanter Biogasanlagen verfügt Verbio in Kombination mit der Bioethanol-Produktion künftig über ein besonders umweltfreundliches Herstellungsverfahren für alternativen Treibstoff. Dabei ist die CO 2 -Einsparung gegenüber konventionellen Verfahren mit mehr als 80 Prozent doppelt so hoch wie die Mindestforderung der Biomasse-Nachhaltigkeitsverordnung (BioNachV) mit 40 Prozent.

Geschlossener Kreislauf

Die entwickelte Technologien ermöglichen sowohl in der Produktion von Bioethanol als auch Biodiesel die agrarischen Rohstoffe so zu verarbeiten, dass sich ein geschlossener Kreislauf mit zahlreichen Synergien ergibt. Somit wird beispielsweise die bei der Ethanolproduktion nach der alkoholischen Gärung anfallende proteinreiche Getreideschlempe weiter verarbeitet. Anstatt diese mit großem Energieaufwand zu Futtermittel zu verarbeiteten, wird Biogas mit einer Monovergärung gewonnen. Das nach der Vergärung erhaltene Substrat enthält Düngemittelkomponenten (Stickstoff, Phosphor und Kalium), die extrahiert und anschließend zu hochwertigem Dünger aufbereitet werden. Dieser Dünger kommt quasi als Recyclingdünger wieder in der Landwirtschaft zum Einsatz.

Das anfallende Biogas wird gereinigt, aufbereitet und schließlich entsprechend konditioniert ins Erdgasnetz eingespeist. Ziel ist es, Biogas, das unter bestimmten limitierten Emissionsrestriktionen produziert wurde, als Erdgassubstitut an Erdgastankstellen in den Verkehr zu bringen.

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