Repräsentativ: Der neue Firmensitz unweit der Schott-Zentrale in Mainz mit seiner raumgreifenden Fassade.
Erschienen in: Energy 2.0 Oktober 2010, S. 18
TStory  |   Schott Solar

Systemanbieter für Solarstrom

Schott Solar setzt auf Qualität um schneller als der Markt zu wachsen

2010 war ein beispiellos gutes Jahr für die Solarbranche – nicht obwohl, sondern gerade weil die Förderung zurückging und künftig die Zeiten härter werden könnten. Nicht bange vor der Zukunft ist Schott Solar. Das Unternehmen setzt von der neuen Mainzer Firmenzentrale aus auf Qualität made in Germany und wappnet sich mit Joint Ventures. Text: Dr. Karlhorst Klotz, Energy 2.0 Fotos: Schott Solar

Wer die lichtdurchflutete Eingangshalle des im September eingeweihten Firmensitzes von Schott Solar in Mainz betritt, hat auf seinem Weg zum Empfangstresen noch Zeit für ein paar Gedanken: Auch wenn sie 2009 schwindelerregende Umsatzzuwächse erlebten – wie viele deutsche Solarfirmen werden sich so repräsentative Gebäude demnächst leisten können? Wie viel Kostensenkungspotenzial steckt noch in der Technik? Und in welche Leistungsregionen führt das solare Wachstum uns in den kommenden Jahren? Die Antwort auf solche Fragen darf man im dritten Stock erwarten, wo ein promovierter Chemiker die Geschicke von Schott Solar leitet und sich ein überproportionales Wachstum in der Solarbranche vorgenommen hat. „2009 sind wir gegen den Trend gewachsen und haben 2010 ein Wachstum von etwa 80 Prozent erreicht“, sagt Dr. Martin Heming gelassen, aber nicht ohne Stolz, und hat auch gleich die Erklärung dafür parat: „Ein für die Käufer entscheidender Punkt ist, dass unsere Module zuverlässig und dauerhaft Strom produzieren.“ Was man an sich von allen Modulen erwarten möchte, untermauert das Unternehmen mit seinen Leistungsgarantien. „Wir haben bei Doppelglasmodulen eine lineare Leistungsgarantie über 30 Jahre, bei Glasfolie sind das 25 Jahre“, ergänzt der Chief Executive Officer von Schott Solar in dem Bewusstsein, damit an der Spitze der Branche zu liegen. Wobei „linear“ bedeutet, dass die Garantiewerte für jedes Jahr ab Herstellung einzeln ausgewiesen werden und von Jahr zu Jahr leicht fallen, nicht in den groben Dekadenstufen, wie das bislang gängige Praxis war.

Silizium im Fokus: Je günstiger Zellen hergestellt werden können, desto größer ist der Einfluss des Materialpreises.
Qualitätskontrolle: Die Laserstruktur wird während der Herstellung der Solarzellen in Jena kontrolliert.

Technologie soll Marktposition untermauern

„Bei Installateuren sind wir in Deutschland die bekannteste Marke, bei Endverbrauchern auf der zweiten Position, und daran arbeiten wir auch im europäischen Ausland“, beschreibt Heming die Marktstellung der Schott-Tochter. Die Bekanntheit soll durch technische Stärke weiter untermauert werden. Im September hat Schott Solar auf der Fachmesse EU-PVSEC in Valencia (Spanien) gerade ein Hochleistungsmodul auf Basis von multikristallinen Zellen vorgestellt, dessen Wirkungsgrad im Modul 17,6 Prozent beträgt, in der Zelle 18,5 Prozent. „Das ist ein neuer Weltrekord“, freut sich der Firmenchef. Und in der Kontakttechnologie hat sich das Mainzer Unternehmen durch ein Joint Venture mit dem langjährigen Holländischen Kooperationspartner Solland endgültig Zugriff auf eine Technologie gesichert, die in der Wachstumsstrategie eine ganz wesentliche Rolle spielen soll. Der Grund: Die Kosten pro Watt Peakleistung müssen sinken. „Mit der Rückseiten-Kontakttechnologie lassen sich in Modulen die Zellen dichter packen“, argumentiert Heming. „Zudem erwarten wir uns durch eine einfachere Automatisierung einen signifikanten Beitrag zur Verbesserung der Kostenposition. Unabhängig davon ergibt sich durch die dichtere Packung ein ästhetisch ansehnliches Produkt, das wir insbesondere im Markt für die privaten Hausbesitzer positionieren wollen.“ Gerade auf diesem Feld versteht sich Schott Solar zunehmend nicht mehr nur als Modul-Lieferant, sondern als Anbieter von Systemen für solare Stromversorgung. „Wir werden uns anschauen, wo sich in diesem Zusammenhang für uns gute Geschäftsmöglichkeiten ergeben, beispielsweise wenn mittels Photovoltaik auf Carports der Autobesitzer zum Selbstversorger wird“, skizziert Heming die Ausrichtung des Unternehmens in diesem Segment. Dabei werden der Eigenverbrauch und damit auch andere Systemauslegungen in den Vordergrund treten. „Wir müssen uns zunehmend damit beschäftigen, was das für unsere Produkte und unser zukünftiges Leistungsangebot bedeutet.“ Die Module der Zukunft erfüllen damit mehr Aufgaben als bisher: In Indach-Systemen übernimmt das Photovoltaik-System auch die Funktion der Dachhaut, stellt also auch die Regendichtigkeit sicher. „Heiß diskutiert wird heute darüber, wie viel Intelligenz man in die Anschlussdose eines Moduls bringen kann, zum Beispiel die Abschaltung im Falle eines Brandes oder die Optimierung im Hinblick auf die Verschattung einzelner Module“, beschreibt der Schott-Solar-Chef einen weiteren Aspekt. „Und letztendlich führt das dann zu einem System, das eine kosteneffiziente Speicherung gewährleisten soll. Wir empfinden die EEG-Novelle, die den Eigenverbrauch gefördert hat, als Anreiz, sich mit dem Thema Speicherung näher zu beschäftigen.“

Solarthermische Kraftwerke

Doch dem deutschen Markt kann angesichts sinkender Förderung nicht die ungeteilte Aufmerksamkeit gelten. Bekanntermaßen entwickeln sich Italien und andere europäische Länder sehr erfreulich, und sogar Indien scheint eine feste Größe für Expansionspläne zu werden (siehe Interview). Das gilt dort nicht nur für Photovoltaik, sondern auch das andere wichtige Standbein von Schott, die Concentrated Solar Power (CSP). Dabei fokussieren große Parabolspiegel das Sonnenlicht auf Receiver, in denen eine Flüssigkeit die Hitze zu Generatoren transportiert, wo auf altbekanntem Wege in einem Dampfprozess Strom entsteht. Dank der Speicherfähigkeit des erhitzten Mediums produzieren die solarthermischen Kraftwerke auch noch lange nach Sonnenuntergang. „Wir sehen, dass heute unter anderem in Indien über CSP-Kraftwerke nachgedacht wird“, so Dr. Heming. Das europäische CSP-Vorzeigeland Spanien ist trotz der mittlerweile etwas restriktiveren Förderpolitik immer noch ein „potenziell sehr attraktiver“ Markt, auch wenn die Photovoltaik im letzten Jahr unter der Einführung des Registers mehr als gelitten habe. „Die ursprüngliche Regelung mit einem harten Cap hat 2008 einen wahnsinnigen Boom ausgelöst, der dann hart gestoppt wurde“, erinnert sich Heming. Bei den solarthermischen Kraftwerken sei man etwas vernünftiger vorgegangen und habe schon zu einem frühen Zeitpunkt ein Register eingeführt, so dass man sehr genau weiß, was in den nächsten drei Jahren passieren wird. „Wir haben uns ja sehr frühzeitig in Spanien engagiert mit einem Werk für Receiverrohre für solarthermische Kraftwerke, haben die hohe Nachfrage aus Spanien aber bewusst nicht komplett aus Spanien bedient, sondern unser nächstes Werk in den USA gebaut, weil wir der festen Überzeugung sind, dass das der nächste große Markt ist.“ Ein Land, das ja schon vor Jahrzehnten in sonnenreichen Lagen auf Solarthermie gesetzt hat, die Technologie dann aber lange nicht mehr weiterverfolgt hat. Das ändert sich nun aber wieder deutlich: „Tatsächlich sehen wir dort jetzt auch Fortschritt in der Entwicklung großer Kraftwerke“, bekräftigt Heming die Wachstumsprognosen der letzten Jahre. „Wir gehen fest davon aus, dass wir 2011 Bauaktivitäten für große CSP-Kraftwerke in den USA sehen werden.“

Vision Desertec kommt voran

Mit den Plänen für solarthermische Kraftwerke und Bauaktivitäten im Mittelmeerraum sowie anderen Teilen der Welt könnte auch die Vision Desertec wieder näher rücken, für die die Desertec Industrial Initiative DII seit etwa einem Jahr an einer Machbarkeitsstudie arbeitet. Erste Einschätzungen wird man Ende Oktober in Barcelona auf der ersten DII-Jahreskonferenz hören können, aber ein so gigantisches Projekt braucht Weile. „Desertec ist in der Tat ein großes Vorhaben, an dem wir intensiv mitarbeiten, wir sind ja einer der Gründungsgesellschafter der Initiative“, sagt der Schott-Solar-Chef dazu. „Und wir sehen, dass es in einigen Ländern hohes Interesse gibt, zum Beispiel in Marokko.“ Beste Aussichten also für eine stetige Ausweitung des Marktes, doch „zunächst muss es einen Paradigmenwechsel geben“, fordert Heming und meint dabei die Einsicht, dass erneuerbare Energie nicht unbedingt immer nur dort produziert werden muss, wo sie gebraucht wird. „Zentrale CSP-Kraftwerke können dezentrale Photovoltaik-Anlagen hervorragend ergänzen.“ Solange Solarenergie und Windkraft in kleinem Maßstab installiert wurden, schien Dezentralität geradezu ein Wesensmerkmal dieser erneuerbaren Energieformen zu sein. „Mit Desertec wird dieses Paradigma gebrochen“, betont Heming. „Die erneuerbare Energie wird in Nordafrika erzeugt, dort teilweise genutzt, aber ein Teil geht eben auch nach Europa.“ Immerhin ist das Umdenken längst im Gange, schließlich sind auch heutige Offshore-Windparks massive Energieerzeuger weitab von den Verbrauchern, und auch die guten alten Wasserkraftwerke stehen da, wo die Topographie günstig ist, nicht unbedingt, wo der Strom benötigt wird. Aber es bleibt noch genug zu tun: „Eine große Aufgabe ist die konkrete Projektentwicklung mit der Stromübertragung als Herausforderung“, so Heming. Prinzipiell gibt es da ja Lösungen, doch das beispiellose Projekt muss konkret vor Ort tatsächlich entwickelt und gebaut werden. „Weil mehrere Aufgaben gleichzeitig geschafft werden müssen, ist Desertec eine Herkules-Aufgabe.“☐

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