Italien im Solarfieber: Die Juwi Energie Rinnovabili finanzierte, plante, realisierte und betreibt eine 1,6-MW-Anlage auf dem Dach einer Großmarkthalle in Verona.
Erschienen in: Energy 2.0 Oktober 2010, S. 18
Atakt  |  

Solarboom auf Italiens Dächern

Neue Marktchancen für deutsche Unternehmen

Italien treibt den Ausbau erneuerbarer Energien mit massiver staatlicher Unterstützung voran. Mit klugen Markteintrittsstrategien profitieren auch deutsche Unternehmen von dem Boom. Heiß begehrt sind derzeit ungenutzte Dachflächen in Norditalien. *  Text: Ulrich Stofner, BLS Fotos: Juwi Energie Rinnovabili

Mehr als zwei Jahrzehnte nach Italiens historischer Entscheidung, auf den Bau von Atomkraftwerken zu verzichten, hat die Regierung den Wiedereinstieg in die Reaktortechnologie beschlossen. Doch inzwischen stillt der Mittelmeerstaat seinen Energiehunger auch über grüne Technologien – die Aufholjagd der erneuerbaren Energien hat begonnen. Hohe Einspeisevergütungen für Solarstrom locken auch zahlreiche deutsche Unternehmen auf den Markt.

Direktor der Business Location Südtirol (BLS)

Massive Investitionen in erneuerbare Energien

Als Mitglied der Europäischen Union hat sich Italien verpflichtet, bis 2020 17 Prozent seines gesamten Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen zu decken. Davon ist das Land heute noch weit entfernt. Für 2009 errechnete die nationale Statistikbehörde ISTAT einen Anteil von 10,7 Prozent. Was die Bereitstellung von Strom aus Wasser, Wind, Sonnenstrahlung und Biomasse betrifft, liegt Italien mit rund 18 Prozent am Gesamtverbrauch sogar vor Deutschland, das knapp 15 Prozent seiner Elektrizität aus erneuerbaren Quellen bezieht. Das liegt jedoch vor allem daran, dass in Italien nahezu drei Viertel des grünen Stroms aus Wasserkraftwerken stammt. Deren Ausbaupotenzial gilt jedoch als erschöpft. Damit Italien seine energiepolitischen Ziele erreichen kann, muss es daher massiv in innovative erneuerbare Energietechnologien investieren. Die Photovoltaikbranche boomt: Ein Auslöser waren neue staatliche Förderinstrumente, allen voran Italiens Pendant zur deutschen Einspeisevergütung für Solarstrom, das sogenannte „Conto Energia“ – ein Fördersystem, das zu den attraktivsten in Europa zählt. Der Effekt ist dramatisch: Im Jahr 2009 wurden weltweit nur in Deutschland mehr Photovoltaikanlagen installiert. Der Zuwachs in Italien betrug 711MW – das Land hat seine installierte Gesamtleistung damit innerhalb nur eines Jahres mehr als verdoppelt. Nach einem aktuellen Beschluss werden die Fördersätze für Solarstrom, der ins italienische Netz eingespeist wird, ab 2011 schrittweise sinken. Wie die Bundesrepublik trägt Italien mit dem „Conto Energia III“ den sinkenden Preisen für Solaranlagen Rechnung. Je nach Größe und Art der Anlage erhalten die Betreiber von Photovoltaikanlagen derzeit eine Einspeisevergütung zwischen 35 und 47Cent je Kilowattstunde. Davon profitieren auch Unternehmen, die Photovoltaikanlagen auf Freiflächen und Dächern schlüsselfertig für Investoren erstellen, etwa die Juwi-Gruppe oder Ralos, die von ihren Niederlassungen in Südtirol aus in Süditalien große Freiflächenanlagen entwickelten.

Autonome Provinz mit geringer Abgabenlast

Dass Südtirol beiden Unternehmen als Sprungbrett in den fremden Markt diente, ist kein Zufall: Die Autonome Provinz im Nordosten der Republik hat sich innerhalb Italiens den Ruf eines „Silicon Valley für Energieeffizienz“ erworben. So ragt Südtirol im nationalen Vergleich heraus, weil es bereits 57 Prozent seines Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen deckt. Mehr als 100 Unternehmen mit Sitz in Südtirol sind bereits erfolgreich in der Branche unterwegs. Um ausländischen Unternehmen die Ansiedlung schmackhaft zu machen, hat die Provinz die regionale Wertschöpfungssteuer IRAP auf den niedrigsten Wert in ganz Italien gesenkt. Südtirol nutzt damit sämtliche Freiheiten, die der Autonomiestatus bietet, um die Abgabelast für Unternehmen zu verringern. Das größte Potenzial für Photovoltaik sehen Branchenexperten inzwischen in großen ungenutzten Dachflächen von Industrie- und Sportanlagen. Diese finden sich weniger in den dünn besiedelten Provinzen Süditaliens als in den industriell geprägten Ballungsräumen Norditaliens. Platz für eine 2009 fertiggestellte 1-MW-Anlage fand Juwi beispielsweise auf dem Dach der Fußballarena „Stadio Bentegodi“ in Verona. Das Potenzial für große Dachanlagen erscheint nicht zuletzt deshalb als besonders groß, weil sie die Landschaften von „Bella Italia“ und seinen touristisch geprägten Regionen kaum beeinträchtigen – im Gegensatz zu Freiflächenanlagen oder Windparks.

Zukunftsmarkt solares Kühlen

Als Zukunftsthema für ganz Südeuropa gilt das solare Kühlen. Denn in Hitzeperioden geraten die italienischen Stromnetze regelmäßig an die Grenzen ihrer Belastbarkeit, da Klimaanlagen überall im Land gleichzeitig anspringen. Italien verbraucht seit fünf Jahren mehr Energie für Kälte als für Wärme, erklärt Michl Laimer, Landesrat für Raumordnung, Umwelt und Energie in Südtirol. Eine Lösung sind vom Netz abgekoppelte, effiziente Kälteanlagen für einzelne Gebäude. Sie können mit Strom aus autonomen Photovoltaikanlagen betrieben oder sogar mit solarthermisch erzeugter Kälte versorgt werden. Die solarthermische Kühltechnologie steht vor dem Sprung aus den Forschungslabors in die betriebliche Fertigung. Die Autonome Provinz Südtirol will den Know-how-Transfer von den Universitäten und Forschungsakademien hin zu innovativen Unternehmen beschleunigen. Michl Laimer fordert Lösungen für alle Jahreszeiten. Seine Idealvorstellung: Kühlen im Sommer und Wärmen im Winter mit ein und demselben Kollektor. Um den italienischen Wachstumsmarkt für erneuerbare Energie mit solchen und anderen Ideen voranzutreiben, ist die ausgeprägte Ingenieurkompetenz und umfassende Praxiserfahrung deutscher Unternehmen auch zukünftig sehr gefragt.☐

Weiterführende Informationen

  • Kostenlose Beratung für Unternehmen und Investoren bei der Business Location Südtirol. Kontakt: www.bls.info

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