Niederlassung Lindenplatz in Hamburg: Die Green-Building-Kriterien für Bestandsgebäude wurden durch die Sanierung übertroffen.
Erschienen in: Energy 2.0 Oktober 2010, S. 47
EManag  |  

Energieeffizienz im Bestand erhöhen

Vom 50er-Jahre-Bau zum Green Building

Ältere Immobilien haben einen hohen Energiebedarf, der allein mit der Sanierung von gebäuteteschnischen Anlagen enorm gesenkt werden kann. Green-Label-Kriterien können so auch von Bestandsgebäuden erfüllt werden. *  Text: Jan Sperl, Clemens Rother, Siemens Fotos: Siemens

Auch Bestandsgebäude können ein Zertifikat nach dem Green-Building-Programm der EU erhalten, wie das teilweise noch aus den 50er Jahren stammenden Gebäude der Siemens-Niederlassung „Lindenplatz“ in Hamburg zeigt. Die dafür erforderlichen umfangreichen Sanierungen liefen in vier Bauabschnitten im laufenden Betrieb unter der Federführung von Siemens Real Estate und unter Einschaltung eines Generalplaners sowie eines Generalunternehmers. Die Modernisierung der heizungs-, klima- und lüftungstechnischen Anlagen sowie der technischen Gebäudesysteme hatte das Ziel, den Wert der Immobilie zu steigern, Energie einzusparen, das Arbeitsumfeld den aktuellen und zukünftigen Anforderungen anzupassen und den Mitarbeitern einen produktiven und komfortablen Arbeitsplatz zu bieten.

Lastmanagement: Der Eisspeicher senkt den Spitzenstrombezug für die Kühlung und sorgt dafür, dass die kleinere Kältemaschine in einem höheren, effizienteren Lastbereich betrieben wird

Primärenergie-Einsparziele übertroffen

Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und um am Standort Lindenplatz auch während der Sanierungsphase weiter arbeiten zu können blieben die gesamte äußere Fassade und die Fenster von den Sanierungsmaßnahmen unberührt. Trotzdem konnten mit Effizienzverbesserungen bei den gebäudetechnischen Anlagen die vom Gesetzgeber und von den Green Building Labels vorgegebenen Einsparziele bei Bestandsgebäuden erreicht werden. Das festgelegte Ziel von 25 Prozent Primärenergieeinsparung gegenüber der Situation vor der Sanierung konnte bei diesem Projekt flächenbereinigt mit 33 Prozent sogar überschritten werden. Der Berechnung liegen Primärenergiefaktoren für Fernwärme von f P = 0,585 und Strom f P = 3,0 zugrunde. Im Einzelnen wurden folgende Ressourcen eingespart:

  • • Wärme: 65Prozent • Strom: 10Prozent sowie • Wasser: 64Prozent.

Die Umbauarbeiten gingen einher mit einer Neuordnung der Stockwerksflächen sowie der Einrichtung speziell von der Siemens Real Estate konzipierter Workplace-Management-Arbeitsplätze (WPM) mit höhenverstellbaren Tischen, WPM-Leuchten, Flachbildschirmen, Caddies und Schränken. Dadurch konnte die spezifische Fläche pro Arbeitsplatz von 16,4m 2 auf 12,0m 2 gesenkt werden – eine Verbesserung der Flächeneffizienz um rund 34 Prozent.

Energiespar- und Energieeffizienzmaßnahmen

Folgende Energiespar- und Energieeffizienzmaßnahmen kam zum Einsatz:

  • Sauerstoffaktivierungssystem

In Klimaanlagen wurden Sauerstoffaktivierungsgeräte von GSB-Umwelt eingebaut. Die Module zur Erzeugung von Ionen und reaktiven Sauerstoffmolekülen sind in den Klimazentralgeräten oder deren Zuluftsystemen platziert. Analog zur Qualität der Außenluft beziehungsweise der Umluft wird aktivierter Sauerstoff produziert, der die Luft von Schadstoffen reinigt – kalt oxidiert – und damit die Geruchslast aus der Umluft abbaut. Gegenüber einem reinen Außenluftbetrieb mit Wärmerückgewinnungsverfahren lassen sich mit dieser Technik Energieeinsparungen von bis zu 75 Prozent erzielen, so der Hersteller. In der Liegenschaft Lindenplatz können durch den Einsatz des Sauerstoffaktivierungssystems die bestehenden Vollklimaanlagen mit einem hohen Umluft-Anteil gefahren werden.

  • Hocheffizienz-Flüssigkeitskühlsätze mit Eisspeicher

Der Einbau eines Eisspeichers von Fafco ermöglicht ein Lastmanagement der Kälte und erlaubt kleinere Kälteanlagen. Die Anlage wird so gefahren, dass der Eisspeicher über Nacht aufgeladen wird und dann am späten Vormittag die Kälteversorgung übernimmt, wenn die Liegenschaft normalerweise ihre elektrische Lastspitze erreicht. Die Eisspeicherkapazität liegt bei total 5032kWh, die Entladeleistung beträgt 650kW. Erst wenn der Eisspeicher entladen ist, gehen die beiden ölfrei arbeitenden magnetgelagerten Quantum-Flüssigkeitskühlsätze von Cofely in Betrieb (Nennkälteleistung: Q= 2 x 540kW). Der Einbau des Eisspeichers senkt nicht nur die elektrische Gesamtlast der Liegenschaft, sondern substituiert auch eine Kältemaschine von etwa 650kW Kälteleistung.

  • Hybrider Trockenkühler

Die offenen „nassen“ Kühler der alten Absorptionskältemaschine wurden durch kompakte hybride Trockenkühler von Jäggi/Güntner ersetzt. Sie sind dann am wirtschaftlichsten, wenn sie möglichst ganzjährig, in der Übergangszeit im Teillastbetrieb trocken genutzt werden. Durch die erzielbaren niedrigeren Kühlwassertemperaturen sind hohe COP-Werte der Kältemaschinen realisierbar. Trotz hoher spezifischer Rückkühlleistung benötigen die Rückkühler wenig Strom und Wasser; sie sind extrem leise und arbeiten schwadenfrei.

  • Beleuchtung

Durch den Ersatz alter statischer Beleuchtungsanlagen durch neueste präsenzgesteuerte Lichttechnik von Osram und Siteco lassen sich rund 40 Prozent an Strom für die Beleuchtung einsparen. Gleichzeitig wird durch die neue Beleuchtungstechnik die Kühllast der Klimaanlagen reduziert. Zur Ausführung kam ein System aus deckenintegrierter Grundbeleuchtung und präsenzgesteuerten blendfreien Arbeitsplatzleuchten als Stehleuchten. Letztere können von präsenzgesteuert auf manuelle Bedienung (auch dimmbar) umgestellt werden. Büros, Flure und andere Verkehrsflächen werden ab Betriebsbeginn am Morgen bis 17 Uhr konstant ausgeleuchtet, danach auf Präsenzmeldung umgeschaltet. Zusätzlich lassen sich die Arbeitsplatz-Stehleuchten über ein in der jeweiligen Abteilung installiertes Touch-Panel ausschalten (schaltbare Steckdosen), um die Netzteilverluste der Leuchten zu minimieren. Allgemein wurde die Beleuchtungsstärke im Bürobereich in den letzten Jahren zurückgenommen. Während zu Zeiten von Schreibmaschine und Zeichenbrett noch 800Lux am Arbeitsplatz üblich waren, liegen die Werte heute zwischen 400 und 500Lux.

  • Deckenkühlung und Einzelraumregelung

Die effizientere Flächennutzung sowie höhere Komfortansprüche an Arbeitsplatz und Arbeitsumgebung waren der Anlass, verschiedene Gebäude und Bereiche mit Kühldecken nachzurüsten. Um Feuchteprobleme durch geöffnete Fenster zu vermeiden, ist die Kühldeckenregelung mit Taupunktwächtern kombiniert. Bei ansteigender Luftfeuchte in den Regelzonen werden die Kaltwasser-Vorlauftemperaturen für die Kühldecken in Abhängigkeit des Taupunkts angehoben. Auch die statischen Heizkörper werden über die Einzelraumregler angesteuert. Eine Besonderheit dabei ist die Fallstromkompensation, die bei hohen inneren Lasten (Heizkörper AUS) und Außentemperaturen unter 5°C (Fallstrom-Sollwert) zugeschaltet wird. Durch die gezielte Übersteuerung der Solltemperatur wird der (kalte) Heizkörper aktiviert und damit der absinkenden kalten Luftströmung im Fensterbereich (Strahlungsasymmetrie) entgegengewirkt.

Gesamtenergieeinsparung

Im Rahmen dieser Maßnahmen wurden auch die Technikzentralen, also Fernwärmeübergabestation, Heizungsverteilung, Kälteverteilung, Klima- und Lüftungszentralen sowie die Sanitärinstallation erneuert beziehungsweise modernisiert oder Teile davon durch Hocheffizienzkomponenten ersetzt. Insgesamt führen die Primärenergieeinsparung von 33 Prozent und die Erhöhung der Flächeneffizienz um 34 Prozent zu einer Gesamtenergieeinsparung von 56 Prozent.☐

• more@click-Code: E21010301

Kontaktdaten

Siemens AG Industry Sector
Rödelheimer Landstraße 5-9
60487 Frankfurt
Deutschland
T +49-69-7978-1000
zur Website
GO TOP

Ähnliche Artikel

Energy 2.0 Titelreportage

Energy 2.0-Markt

Businessprofile