Betriebsstelle Werne: Jeder vierte Kubikmeter Erdgas, der in Deutschland verbraucht wird, fließt durch die Verdichterstation – rund 25 Milliarden Kubikmeter Erdgas jährlich.
Erschienen in: Energy 2.0 November 2010, S. 20
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Innovative Erdgastechnologien

effizient und klimaschonend

Vor dem Hintergrund des Energieprogramms der Bundesregierung wird die Rolle von Erdgas neu bewertet. Effiziente und klimaschonende Technologien stehen dabei im Vordergrund. *  Text: Dr. Karlhorst Klotz, Energy 2.0 Fotos: Eon Ruhrgas

Die Bundesregierung hat ihre Ziele im Hinblick auf Bio-Erdgas formuliert: Im Jahr 2020 sind sechs Prozent und bis 2030 zehn Prozent des Erdgasbedarfs in Deutschland mit Bio-Erdgas zu decken. Und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) schreibt längst vor, dass die Energie für Heizung und Warmwasser zu einem bestimmten Teil aus erneuerbaren Quellen kommen muss. Wer sich da bei Eon Ruhrgas umhört, wie dies konkret zu erreichen wäre, wird natürlich keine Ausführungen über Solarthermie oder Kleinwindkraft erwarten. „Diese Auflage lässt sich beispielsweise mit einem Bio-Erdgas-Anteil von 30 Prozent erfüllen“, heißt es beim Gasversorger in Essen. Allerdings: Das EEWärmeG gilt nur für Neubauten. Der Gebäudebestand stellt die viel größere Herausforderung dar. Nach dem Willen der Regierung soll der Wärmemarkt bis 2020 fast die Hälfte der CO 2 -Minderungsziele gegenüber 2008 schultern, insgesamt also 93 Millionen Tonnen CO 2 . Viele der vor 1979 errichteten Häuser sind wenig oder gar nicht gedämmt, die Heizungen entsprechen überwiegend nicht dem Stand der Technik. Deshalb will die Politik die Sanierungsrate von jährlich einem auf zwei Prozent verdoppeln. „Ob das ausreicht, um den häuslichen Wärmebedarf bis 2050 um 80Prozent zu mindern, ist allerdings fraglich“, sagt Henning R. Deters, Mitglied des Vorstandes der Eon Ruhrgas. „Ohne eine umfassende Förderung von Sanierungsmaßnahmen wird es schwierig, das Ziel zu erreichen. Wir brauchen langfristig angelegte Förderprogramme und Rahmenbedingungen, die technologie- und energieträgeroffen am gewünschten Ergebnis orientiert sind.“ Und das ist die CO 2 -Minderung. Denn trotz aller Blütenträume: Auch 2050 werden fossile Energieträger noch eine Rolle im Energiemix spielen. Erdgas und Bio-Erdgas komme dabei wegen ihrer guten Klimaeigenschaften eine besondere Bedeutung zu.

Biogasaufbereitung: 2000 Kubikmeter Biogas pro Stunde kann die Bio-Erdgasanlage Schwandorf aufbereiten und ins Erdgasnetz einspeisen. Dafür verbraucht sie im Jahr 90.000 bis 100.000 Tonnen Frischmasse.
Verwaltungsgebäude: Die neue Zentrale von Eon Ruhrgas setzt auf Kälte-Wärme-Technik und Photovoltaik. Dadurch sinkt der Primärenergieaufwand für Beheizung, Kühlung und Belüftung um rund 40 Prozent.
Betriebsstelle Werne: Jeder vierte Kubikmeter Erdgas, der in Deutschland verbraucht wird, fließt durch die Verdichterstation – rund 25 Milliarden Kubikmeter Erdgas jährlich.

Gasspeicher können Windstrom puffern

Mit Blick auf die zukünftigen Anforderungen seien aktuelle Schwerpunkte im Bereich Forschung und Entwicklung daher die Kopplung von Erdgas mit erneuerbaren Energien, die Optimierung der Bioerdgastechnik sowie die dezentrale Stromerzeugung. „Die Arbeit an den Einzeltechniken geschieht dabei im Kontext einer ganzheitlichen Analyse der Energiesysteme, um das große Ganze im Auge zu behalten. Aus dieser Perspektive lassen sich langfristige Trends erkennen wie zum Beispiel die zunehmende Konvergenz von Gas- und Stromsystemen“, so Deters, und nennt ein Beispiel: Die Interaktion von Erdgastechniken und Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) in den intelligenten Netzen der Zukunft (Smart Grid). „Ganz aktuell steht die Nutzung der Gasinfrastruktur als Option zur Speicherung von fluktuierendem Windstrom im Zentrum der Debatte“, so die Einschätzung des Vorstandsmitglieds für das Technik- und Infrastrukturressort. Überschüsse können via Elektrolyse zu Wasserstoff gewandelt und dem Erdgas beigemischt werden oder zu Methan synthetisiert werden.

Bedarf für Modernisierung und Verlässlichkeit

Wenn es um die effizientere Ausgestaltung der Förderung geht, sieht das Gas-Unternehmen Veränderungsbedarf auf zwei Ebenen: Erstens müsse ein massiver Anreiz gegeben werden, den zum Teil veralteten Heizungsbestand in Deutschland zu modernisieren. Rund 80 Prozent der gegenwärtigen Anlagen entsprechen nicht dem neuesten Stand der Technik; sie arbeiten deshalb ineffizient und belasten das Klima. Eine Modernisierungsoffensive im Heizungskeller sei daher der zentrale Erfolgsfaktor zur Erreichung der Klimaschutzziele. „Zweitens brauchen wir mehr Verlässlichkeit in der Förderung. Kurzfristige Programme oder Programme, die nach kurzer Laufzeit schon wieder gekürzt oder ganz gestrichen werden, sorgen für Unsicherheit – bei Herstellern und Handwerksbetrieben genauso wie bei Verbrauchern“, fasst Deters die Erfahrungen der letzten Monate zusammen. Die Folge sei, dass häufig die eigentlich notwendige Modernisierung wieder zurückgestellt wird, solange es die alte Heizung noch tut.

Gas für Mini- und Mikro-KWK-Anlagen

Sinnvoll sei der Einsatz von Erdgas als Primärenergie zum Betreiben von KWK-Kleinanlagen. „Erstens ist Erdgas eine sichere Energiequelle, die noch lange Zeit flächendeckend zur Verfügung steht“, argumentiert Deters. „Und zweitens ist es von allen fossilen Energieträgern derjenige, der die beste CO 2 -Bilanz aufweist. Erdgas ist also gut für das Klima.“ Diese Eigenschaft müsse noch höher bewertet werden, wenn man Erdgas durch Bioerdgas ersetzt, das problemlos zum Betrieb von KWK-Anlagen verwendet werden kann. „Die derzeit erprobten Mikro-KWK-Geräte verfügen über eine elektrische Leistung von etwa einem Kilowatt. Das ist optimal für den Einsatz in Häusern und Wohnungen bis 200 Quadratmeter. Mini-KWK-Anlagen schaffen eine Leistung von bis zu 50kW, sind also für Mehrparteienhäuser oder Gewerbeimmobilien gut geeignet. Auch für die Brennstoffzelle, die das Prinzip der Mikro-KWK weiter optimiert, kann Gas als Primärenergieträger zum Einsatz kommen. „Der Praxistest von Brennstoffzellen-Heizgeräten im Callux-Projekt, in dem wir mit weiteren Energieversorgungsunternehmen und führenden Heizgeräteherstellern zusammenarbeiten, verläuft planmäßig“, resümiert Deters. Zurzeit sind rund 100 Geräte im Feldtest. Bis 2012 sollen es knapp 800 sein, die dann bis 2015 betrieben und dabei gründlich analysiert werden. „Diese Praxistests sind unverzichtbar, um die Technik unter realen Bedingungen zu erproben. Unsere Erwartungen zum derzeitigen Stand werden voll erfüllt und die Technik kommt gut voran“, freut sich der Eon-Vorstand, auch wenn er einschränken muss: „Bis zur Marktreife der ersten Geräte wird es aber dennoch ein paar Jahre dauern.“

Erdgas als Kraftstoff

Noch nicht richtig Fahrt aufgenommen hat auch die an sich nahe liegende Verwendung von Erdgas in Fahrzeugen. „Erdgas-Mobilität ist vor dem Hintergrund der medial stark beachteten Elektromobilität ein wenig in den Hintergrund geraten“, erklärt Deters. „Zu Unrecht, denn sowohl das Angebot an Betankungsstationen – in absehbarer Zeit 1000 bundesweit – als auch die Palette alltagstauglicher Erdgasfahrzeuge haben ein Niveau erreicht, dass Erdgasfahrzeuge schon heute eine echte Alternative sind.“ Mit Blick auf zukünftig möglicherweise noch günstigere Technologien werde übersehen, dass die Verwendung von Erdgasfahrzeugen schon heute die CO 2 -Emissionen des Verkehrs nachhaltig reduzieren kann, umso mehr, wenn Bioerdgas beigemischt oder zu 100% eingesetzt wird. Auch schone der Erdgaseinsatz den Geldbeutel: Schließlich sei Erdgas preiswerter als andere etablierte Kraftstoffe.☐

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