Erschienen in: Energy 2.0 November 2010, S. 3
Atakt  |  

Faktor Preisanstieg

Steigende Strompreise sind keine Katastrophe

Zum Jahreswechsel müssen sich viele Kunden wieder einmal mit steigenden Strompreisen anfreunden. Aus gutem Grund: Nie war die Umlage für die erneuerbaren Energien so hoch. Nach dem krisenbedingten Nachfrage-Rückgang steigt aber auch der Energieverbrauch wieder – sogar schneller als die Wirtschaft wächst. Zusammen mit Ölpreisen, die seit Sommer nach oben tendieren, verstärkt sich der Eindruck, dass die Energiepreise ihre Entwicklung von vor der Krise wieder fortsetzen: Tendenz steigend. Das wäre keine Katastrophe. Die energieintensive Industrie ist schon glimpflicher davongekommen, als zunächst befürchtet, und wer ansonsten den Druck der Stromkosten stärker spürt, hat mehr Veranlassung denn je, über Energieeffizienz nachzudenken. Das ist zwar nicht bequem, wird aber Innovationskräfte freisetzen und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft mittelfristig stärken. „Dieser Energiepreispfad ist absolut sozialverträglich, fortschrittsverträglich und wohlstandsverträglich“, sagte Prof. Ernst von Weizsäcker, der Autor des Buches „Faktor Fünf: Die Formel für nachhaltiges Wachstum“ im Oktober auf dem Bell Labs Open Day in Stuttgart (mehr dazu auf unter www.energy20.net auf Seite 4 der energy2.0week Nr. 21). „Es gibt keinen wirklich rationalen Grund dagegen – außer Faulheit.“ Wo nötig müssen soziale Härten gemildert und wirtschaftliche Einbußen gedämpft, aber nie völlig kompensiert werden – der wachsende Preisdruck muss fühlbar bleiben. Und die Politiker sollten damit beginnen, den Menschen im Land die unbequeme Wahrheit zu überbringen. Anders verhält es sich allenfalls beim Gas: Die Branchenführer sind längst auf der Suche nach neuen Verwendungen für diesen „klimaschonendsten der fossilen Energieträger“ (S. 22). Die Nachfrage wird sinken, nicht nur im Wohnungssektor. Bis zur völligen oder auch nur weitgehenden Abkehr von fossilen Energieträgern vergehen sicher noch Jahrzehnte, doch wirft die Entwicklung ihre Schatten voraus: „Wenn man sich die politisch richtigen Forderungen nach CO 2 -Emissionsminderungen ansieht, wird kein Weg am totalen Stromsystem vorbeiführen – Strom auf der Basis von erneuerbaren Energien“, sagte EWE-Chef Dr. Werner Brinker ebenfalls auf der Stuttgarter Veranstaltung. „Bis dahin brauchen wir das Erdgas.“

Mit besten Grüßen IhrDr. Karlhorst Klotz,Chefredakteur, k.klotz@publish-industry.net

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