Gut gepflegt: Nur Windkraftanlagen, die regelmäßig gewartet werden, bringen auf Dauer den vollen Ertrag.
Erschienen in: Energy 2.0 Juni 2011, S. 19
TStory  |   Voith Industrial Services

Effiziente Energie-Dienstleistung

Wartung und Instandhaltung auf industriellem Niveau

Wird Energie immer teurer, wenn zentrale Erzeugung in Ungnade fällt und mehr kleinere Anlagen einspringen müssen? Dezentrale Service-Konzepte können jedenfalls dämpfend auf die Betriebskosten wirken, egal ob bei Windkraft, Blockheizkraftwerken oder fossilen Kraftwerken. *  Text: Dr. Karlhorst Klotz, Energy 2.0 Fotos: Voith Industrial Services  

Wer „Familienunternehmen“ hört, stellt sich das alles vielleicht ein bisschen beschaulicher vor. Denn allein Voith Industrial Services zählt heute rund 20.000 Mitarbeiter an 170 Standorten weltweit. Das Unternehmen erwirtschaftet einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro und ist damit nur eine, wenn auch der Mitarbeiter-stärkste Konzernbereich der Voith-Gruppe, die es auf insgesamt 40.000 Köpfe und fünf Milliarden Euro Umsatz bringt – und tatsächlich im Besitz der Nachfahren des Gründers Johann Matthäus Voith ist. Die Industrie-Dienstleister innerhalb der Voith-Gruppe spielen mit ihrer Fokussierung auf die präventive und korrektive Wartung, Reparatur von Anlagen sowie Instandhaltungs- und Umbauprojekte in Energieerzeugung, bei Öl- und Gas- sowie chemischen Anlagen eine in der öffentlichen Wahrnehmung eher unauffällige, aber nicht minder wichtige Rolle in einem Land, dessen Investitionsgüterindustrie uns glimpflich durch die größte Wirtschaftskrise gebracht hat. „Wir kümmern uns darum, dass keine Unfälle, Leckagen oder Fehler entstehen“, beschreibt Norbert Nettesheim das Aufgabenfeld. „Wir sorgen auch dafür, dass große Industrieanlagen sicher und kontinuierlich betrieben werden können und nicht ausfallen. Bei Raffinerien zum Beispiel ist ein Großteil unserer Tätigkeit die vorbeugende Instandhaltung mit der Zielsetzung, den Betrieb dieser Anlagen zu gewährleisten.“ Dazu hat man im Oktober 2010 die Konzern-Kompetenz aus unterschiedlichen Dienstleistungsbereichen zu der eigenständigen Division Energy-Petro-Chemicals gebündelt: den Shutdown- und Montagespezialisten Voith Ermo, die skandinavische SIS Skandinavisk Industriservice, die Voith Industrial Services Wind und den Kraftwerks-Bereich. Dafür die Verantwortung trägt seit Januar 2011 eben Norbert Nettesheim als einer der Geschäftsführer von Voith Industrial Services. „Wir sehen die Branchenspezialisierung als wesentlichen Trend, um auf die Branche abgestimmte Dienstleistungen anbieten zu können“, begründet er die strategische Ausrichtung des Geschäftsbereichs.

Raffinerie: Mit der vorbeugenden Instandhaltung wird der reibungslose Betrieb der Anlagen sichergestellt.
Heizungsanlagen: Mit Dienstleistern vor Ort ist die Wartung dezentraler Energieerzeugung kostengünstiger und effizienter.

Fokus auf Effizienz als Dienstleistungsprinzip

Erst gut 100 Tage im Amt, hat er weitreichende Vorstellungen dazu entwickelt, wie sich das Geschäft mit dem Service verändern muss: „Als Industriedienstleister müssen wir nach industrieüblichen Prinzipien Effizienz bereitstellen“, verrät er sein Credo, als wir ihn am Hauptsitz in Stuttgart besuchen. Seine Beobachtung ist, dass bei der Instandhaltung und Wartung die eigenbrötlerischen Ansätze zunehmen, die insgesamt zu Ressourcenverschwendung führen – auch wenn er das diplomatischer formuliert: „Es ist nicht effizient, wenn jeder Komponentenhersteller ein eigenes Netz unterhält, um irgendwo in der Welt, wo gerade eine Komponente defekt ist, einen Servicetechniker an die Anlage zu senden.“ Das leuchtet ein, doch geht es Nettesheim um mehr: „Professionelle Erbringung industrieller Dienstleistung heißt, dass wir uns spezialisieren, Lieferketten aufbauen, über Entwicklungspartnerschaften reden und Dienstleistungpakete entwickeln.“ Effizienz in der Dienstleistung entstehe durch Kollaboration und Kooperation der Spieler, die in diesem Markt sind. „Das wollen wir vorantreiben. Heute ist der Markt noch viel zu kleinteilig.“ Um der Ineffizienz in der Unterhaltung dezentraler Service-Netzwerke zu begegnen, sollten die Hersteller seiner Meinung nach also stärker auf Dienstleister zurückgreifen, die sowieso schon regional präsent sind, etwa bei der Wartung von Windkraftanlagen. Solche dezentralen Energieversorgungsanlagen kostengünstig warten zu können, sieht er als Stärke seines Unternehmens. „Ein Dienstleister muss sich dabei über regionale Präsenz und ein effizientes Netzwerk profilieren“, sagt Nettesheim. Als weitere Stärken von Voith Industrial Services sieht Nettesheim auch Logistik und Fernüberwachung. Chancen für derartige Dienstleistungen ergeben sich immer da, wo die Energieversorgung dezentral erfolgt, etwa mit gasbefeuerten Generatoren oder Blockheizkraftwerken. Damit die Dienstleistung überhaupt nachgefragt wird, muss allerdings eine gewisse Anlagengröße und Gewinnerzielungsabsicht bei den Kunden vorhanden sein. „Private Haushalte sind nicht so sensibel gegenüber Ausfällen“, grenzt Nettesheim das Kundenspektrum nach unten ab. Wenn es dagegen eine Energieerzeugungsanlage ist, die einen kleineren Industriebetrieb oder ein größeres landwirtschaftliches Anwesen versorgt, dann muss ein Ausfall und dessen Konsequenzen den Betreiber interessieren. Ebenso wenn eine Windkraftanlage sich nicht mehr dreht, ist die Ertragsquelle erloschen, daher wird der Betreiber die Laufzeit maximieren wollen. „An solchen Stellen kann man mit vorbeugender Instandhaltung und langfristigen Instandhaltungskonzepten punkten.“

Wachstum geplant

Energy-Petro-Chemicals trägt derzeit knapp eine Viertel Milliarde Umsatz zum Geschäft der Voith Industrial Services bei und hat ambitionierte Wachstumspläne, sowohl organisch als auch durch Zukäufe. „Die Kunden bilden Pakete und wollen die Vielzahl der Dienstleister reduzieren“, weist der Geschäftsführer auf einen aktuellen Trend hin. „Wer in diesem Konzert noch mitspielen will, muss verschiedenste Instrumente bedienen können und nicht nur eines.“ Auch mit Blick auf die Landkarte hat Voith Industrial Services Großes vor. „Skandinavien und Großbritannien sind noch Expansionsräume für uns“, beschreibt Nettesheim den Fokus für die nächsten Monate und Jahre. Obwohl beispielsweise Voith Hydro ihre Turbinen schon seit einem Jahrhundert an Kraftwerke in der ganzen Welt liefert, haben die Industriedienstleister der Voith-Gruppe ihren regionalen Schwerpunkt bis heute noch weitgehend in Deutschland und Europa – eine Ausrichtung, die dem Geschäftsführer Sorgen macht. „Wir sind heute eigentlich zu stark in den alten europäischen Wirtschaftszentren präsent, wo aber das Wachstum nicht stattfinden wird“, ist seine Überzeugung, und so denkt er als Fernziel an die Globalisierung der Geschäfte. „Daher müssen wir in die globalen Wachstumszentren der Welt gehen. Wir schauen zum Beispiel nach Südamerika – Brasilien wird für Öl und Gas ein interessanter Markt werden – und in den mittleren Osten, in Länder, die als Produzenten von Öl, Gas und Flüssiggas aktiv sind. In Qatar bedienen wir Flüssiggasanlagen ähnlich wie in Rotterdam oder Amsterdam.“

Zurückhaltung derzeit noch in Asien

Und die asiatischen Wachstumsmärkte, allen voran Indien und China? Trotz der Goldgräber-Stimmung beim Bau von Kraftwerken und Windkraftanlagen scheint dort im Service-Segment keine Eile geboten. „In China und Indien sind die Servicestrukturen noch nicht so ausgeprägt“, weiß Nettesheim. In China gebe es umfangreiche Ressourcen, die dank niedriger Löhne leicht verfügbar sind, da falle es schwer, mit Wirtschaftlichkeit zu argumentieren.☐

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