Solarpowerstation: Eine Parkimmobilie als Imageträger
Erschienen in: Energy 2.0 Juni 2011, S. 55
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Intelligente Solarcarports

Elektromobilität, regenerative Energien und Immobilien

Damit aus einem Solarcarport eine intelligente Immobilie wird, spielt neben Technologie, Kosten und Machbarkeit auch die Perspektive der Image- und Markenbildung eine entscheidende Rolle. *  Text: Markus Schloßbauer, Remsys Foto: Remsys, Brainstec  

Mit einem mehrdimensionalen Betrachtungsansatz der Themen Elektromobilität, regenerative Energien und Immobilien kann das Gesamtpotenzial der Schnittstellen für die Energie- und Immobilienwirtschaft exakt herausgearbeitet werden. Natürlich ergeben sich auch gravierende Veränderung für Architekten und Fachplaner, gerade im Hinblick an den Einsatz von Solarenergie und deren energetischen Integration im Rahmen von Smart Grids. Ein Beispiel hierfür ist die intelligente Parkimmobilie Solarpowerstation sowie die hierzu korrespondierenden Geschäftsmodelle, die von Remsys und Brainstec entwickelt wurden.

Geschäftsführer der REMSYS GmbH

Solarstrom für emissionsfreie Elektromobilität

Durch die Integration von Photovoltaikmodulen in die Dachkonstruktion des Carports wird saubere Energie produziert und diese für die emissionsfreie Betankung von Elektroautos zur Verfügung gestellt. Dabei reicht rein rechnerisch die Fläche eines Parkplatzes aus, um etwa dreiviertel des jährlichen Energiebedarfs für ein Elektroauto (Stadtauto) photovoltaisch zu erzeugen. Selbst wenn die zur Erzeugung der Photovoltaikmodule benötigte Energie sowie die Logistik mit eingerechnet werden ergibt sich durch das solare Betankungskonzept eine Bilanz von nur wenigen Gramm CO 2 -Ausstoß pro Kilometer. Im Vergleich dazu emittiert der günstigste Stadtdiesel immerhin zirka 85g Kohlendioxid pro gefahrenen Kilometer, also mehr als das 10-fache des Elektroautos. Durch die witterungsbedingten Schwankungen in der Produktion von Solarstrom ist der Solarcarport aber natürlich nicht autark. Während in der Mittagssonne meist zu viel Energie produziert wird, steht an bewölkten Tagen, in den Morgen- und Abendstunden und natürlich in der Nacht zu wenig solare Energie zur Betankung der Elektroautos zur Verfügung. Daher werden Solarcarports immer an das öffentliche Stromnetz angebunden, um Strom liefern und (Ökostrom) beziehen zu können.

Was ist ein intelligenter Solarcarport?

„Schlau“ ist ein Solarcarport jedoch nur dann, wenn er durch eine ausgeklügelte Steuerung von Energiebezug und Energieabgabe dabei hilft den tatsächlichen Energieverbrauch regelmäßig zu analysieren und steuerbar zu machen. Diese Steuerung verlagert den Energieverbrauch gezielt auf Zeiträume, in denen Ökoenergie verfügbar und günstig ist. Die Integration dieses Smart Meterings und damit die bidirektionale Kommunikation zwischen Zähler, Verbraucher und Energieverteilnetz ist ein wichtiger Schritt zur Entwicklung der Smart Grids. Technisch intelligent wird ein Carport aber erst dann, wenn seine Energiesteuerung in der Lage ist auch die Autobatterie selbst bidirektional in das Verbundnetz aufzunehmen. Die Kapazität der Batterie eines Elektroautos weist 15 bis 20kWh auf. Ein enormes Potenzial zum Speichern der überschüssigen Energie aus Sonne und Wind. Bezogen auf einen Einzelhaushalt stünde hier ein drei bis vierfach überdimensionierter Speicher zur Verfügung. Die Nutzung der Autobatterie als Energiespeicher könnte also einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu stromautarken Haushalten markieren. Nimmt man das Ziel der Bundesregierung von 1 Million Elektroautos im Jahr 2020 als Maßgabe, ergibt sich eine rechnerische Speicherkapazität von immerhin 20GWh. Technisch gesehen ist die Einbindung der Batterien der Elektroautos im Rahmen von Smart Grids bereits jetzt möglich. Kritiker bemängeln jedoch den zu niedrigen Wirkungsgrad in der Zwischenspeicherung von Solar- und Windstrom in diesen Batterien. Und tatsächlich ist der freie Verkauf beziehungsweise der direkte Verbrauch der Sonnenenergie nach EEG lukrativer als deren Zwischenspeicherung. Bedingt durch technische Fortschritte in der Batterie- und Steuerungstechnologie, Kostensenkungen in der Produktion von Batterien und den ständig steigenden Strompreisen wird der Break Even aber wohl demnächst erreicht. Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass auch der Wirkungsgrad von Pumpspeicherkraftwerken lediglich bei zirka 70 bis 85% liegt. Und hier kann die Batterie schon jetzt mithalten.

Warum gibt es erst wenige Solarcarports?

Trotz aller Vorzüge, die ein Solarcarport hinsichtlich sauberer Energiegewinnung, der Symbiose mit der Elektromobilität oder der Netzintegration bieten kann gelingt ein Marktdurchbruch auf diesem Geschäftsfeld nur sehr schleppend. Dies liegt weniger an einem fehlenden Angebot, als vielmehr vor allem an einer nicht ausreichenden Rentabilität. Allein durch die Vergütung des produzierten Solarstroms nach EEG wird sich heute kein Solarcarport mehr wirklich rechnen. Zu hoch sind die Kosten der Unterkonstruktion. Diese belaufen sich je Stellplatz auf mindestens 2500 bis 3000 Euro, wobei nach oben je nach Designanspruch keine Grenzen gesetzt sind. Auf das Kilowatt gerechnet ergeben sich also mindestens Kosten in Höhe von rund 1250 Euro. Damit sind die Kosten der Stromproduktion im Vergleich zur Nutzung einer Dachfläche einfach zu hoch. Als staatlich abgesicherte Kapitalanlage (EEG) taugt der Carport daher nur sehr bedingt. Weiterhin gibt es noch zu wenig Elektroautos, die man betanken könnte. Auch fehlen zum jetzigen Zeitpunkt deren Batterien, die man als Zwischenspeicher nutzen könnte. Ein derart technisch versierter Carport ist daher heute immer eine Investition in eine (nicht immer gewisse) Zukunft. Werden Solarcarports aber nicht nur unter den klassisch „harten“ Gesichtspunkten wie Technologie, Kosten und Machbarkeit betrachtet, sondern mit der Perspektive für die „weichen“ Faktoren wie Emotionalität, Wertesystem, Meinungsführerschaft sowie der Image- und Markenbildung, ergeben sich große Chancen für erfolgreiche Geschäftsmodelle. Diese Chancen ergeben sich jedoch nur, wenn sich der Solarcarport zur intelligenten Parkimmobilie wandelt.

Green Image als Geschäftsmodell

Über die Aufnahme der erneuerbaren Technologien wie der Photovoltaik in die Parkimmobilie kann sich der potenzielle Käufer als ökologisch nachhaltig orientiert präsentieren. Verfügt die Überdachungslösung über ein attraktives Design positioniert er sich weiterhin als stilbildend und innovativ. Integriert er zudem Elektrotankstellen auf seinem Parkareal, wird er als „First Mover“ und damit als Trendsetter wahrgenommen. Dabei ist es eher nebensächlich, ob auch tatsächlich Elektrofahrzeuge betankt werden. Entscheidend für den Kunden ist einzig der wahrgenommene Mix aus „Ökologisch nachhaltiger Orientierung, Innovation und Stilbildung“. Natürlich stellt sich die Frage, wie man mit diesem Image auch Geld verdienen kann. Schließlich erfordert dieses Green Image eine nicht unerhebliche Erstinvestition. Zum Geschäftsmodell wird das Konzept nur, wenn sich der Green-Image-Effekt rentabel vermarkten lässt. Dies lässt sich dann realisieren, wenn der Kunde über Möglichkeiten verfügt, über die Vermietung von adäquaten Werbeflächen andere Firmen an diesem Image partizipieren zu lassen. Eine intelligente Parkimmobilie integriert diese Anforderung von Anfang an in ihr Design. Sie ist von Grund auf so aufgebaut, dass zusätzlich zu allen funktionalen Anforderungen der Parkplatzüberdachung eine Marketingplattform entsteht. Die Parkimmobilie wird im Rahmen eines Corporate Brandings selbst zum Imageträger. Als Abnehmer der Werbeflächen warten nicht nur die Automobilindustrie und die Energiedienstleister. Auch andere Dienstleister, der Einzelhandel und die Konsumgüterindustrie wollen an dieser Wertschöpfungskette über Spill-Over-Effekte profitieren. Schließlich beinhaltet dieses Medium die Chance, die Kundenbeziehungen durch einen glaubhaften Imagetransfer von „Nachhaltigkeit und Innovation“ entscheidend zu verbessern.☐

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