Erschienen in: Energy 2.0 Juli 2011, S. 39
EManag  |   Gastkommentar

Einspar-Vergütung mit Garantie

Energieeffizienz nach dem EEG-Modell fördern!

Anreize zum Energiesparen sind nötig: Die gesparte Kilowattstunde Strom muss genauso lukrativ sein wie die erzeugte Kilowattstunde aus Solar- oder Windkraftanlagen. *  Text: Canay Simon Yildirimer, Eta Cube Foto: Eta Cube  

Stellen Sie sich ein Produkt vor, für dessen Erzeugung keine Personalkosten entstehen, keine Rohstoffe nötig sind, dessen Vertrieb keine Kosten erzeugt und bei dem unabhängig von konjunkturellen Schwankungen 12 Prozent Rendite staatlich garantiert sind – über 20 Jahre, Jahr für Jahr. Eine Goldgrube für Unternehmer! Dieses Produkt gibt es in Deutschland längst: Hinter jeder aus Solar- und Windkraftanlagen erzeugten Kilowattstunde Strom steht ein Mensch, der als treibende Kraft mit höchstem wirtschaftlichen Eigensinn als Produzent eben dieser „grünen Kilowattstunde“ agiert. Eine derartige Rendite ohne Risiko macht Menschen anfangs misstrauisch, dann skeptisch und schließlich greifen sie zu, ist das Risiko doch durch eine staatliche Garantie neutralisiert und: Der Nachbar macht es auch. Energiesparen ist aus Investorensicht lukrativer als grünen Strom zu erzeugen, da die Amortisationszeiträume kürzer sind. Dennoch wird das meiste Kapital nicht in energieeffiziente Gebäudetechnik investiert, sondern in Erzeugungskapazitäten. Aber ist die eingesparte Kilowattstunde Strom – also die Kilowattstunde, die gar nicht mehr produziert werden muss – nicht die wirklich sauberste Alternative? Sollen wir uns bei den weiteren Bemühungen immer und alleine darauf fokussieren, effizienter bei der Erzeugung von Strom zu werden – oder wäre es nicht angebracht, auch darüber nachzudenken und Anreize dafür zu setzen, wie der Energieverbrauch insgesamt und nachhaltig gesenkt werden kann?

30 Cent pro gesparter Kilowattstunde!

Was wäre, wenn es eine staatlich garantierte Vergütung pro gesparte Kilowattstunde gäbe? Zum Beispiel so: Der Endverbraucher zahlt für Strom beispielsweise 20 Cent je Kilowattstunde. Für eine nachweislich eingesparte Kilowattstunde allerdings setzen wir einen Wert von 30 Cent an. Spart ein Unternehmen, ein Haushalt oder eine andere Einrichtung nun nachhaltig Strom, spart dieser Stromverbraucher einerseits die 20 Cent im Einkauf und andererseits erhält er den Betrag von 30 Cent für die eingesparte Kilowattstunde ausbezahlt. Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt verbraucht etwa 5000kWh Strom (1000 Euro) im Jahr. Schafft es der Haushalt, diese Menge um 20 Prozent (1000kWh) zu senken, spart er per se zunächst einmal 200 Euro. Er kann nun aber zusätzlich seine Rechnung an eine zentrale Stelle schicken und bekommt den Betrag für die eingesparte Kilowattstunde erstattet: 300 Euro „Einsparbonus“, garantiert über ein, zwei oder sogar 20 Jahre? Je länger die Einspar-Vergütung, desto mehr Investitionskapital würde in Energiesparen kanalisiert, möglicherweise auch in die sonst so kostspielige energetische Erneuerung der Bausubstanz. Diese zusammen 500 Euro pro sparsamem Haushalt wären für den Staat keinesfalls verloren: Denn um die Einsparleistung tatsächlich zu erbringen, müsste der Haushalt investieren – etwa in energiesparende Beleuchtung, eine modernere Waschmaschine oder Ähnliches. Die Wirtschaftsaktivität würde gestärkt und die Steuereinnahmen würden sprudeln. Durch Folgeeffekte könnten die staatlichen Investitionen überkompensiert werden. Ähnliche Anreizmechanismen könnten auch in und bei Unternehmen zu einem Umdenken führen. Wenn ein Unternehmen heute in eine Energieeinsparung 100.000 Euro investiert, dauert die Amortisation der Investitionen normalerweise drei Jahre – dieser Zeithorizont ist für viele Unternehmen – das wissen wir aus unserer praktischen Arbeit – schlicht zu lang. Der beschriebene Ansatz der staatlich garantierten Einspar-Vergütung würde dazu führen, dass sich die Amortisationszeiten verkürzen ließen und Investitionen in Energieeffizienz-Technologien attraktiver werden. Natürlich müsste so eine Einspar-Vergütung im Detail ähnlich wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geregelt werden. Hier können wir nur die Diskussion anregen. Resultat könnte ein Energieeffizienz-Konjunkturprogramm sein, das unsere Wirtschaft nachhaltig stärken würde. Packen wir es doch einfach an!☐

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