Erschienen in: Energy 2.0 Juli 2011, S. 44
Sonne  |  

Drucklose Trockengasspeicherung

Mehr Sicherheit in der Gasversorgung

Ein flexibler Gasspeicher dient als „Pufferraum“ zwischen der Erzeugung der wertvollen Primärenenergie aus Biomasse und dem Weitertransport zum Blockheizkraftwerk. *  Text: Sandra Werner, freie Redakteurin Fotos: Lipp  

Seit einigen Jahren gilt Biogas als beliebte und umweltschonende Alternative zum fossilen Erdgas: Pflanzen und Nebenprodukte aus der Verarbeitung von Agrarprodukten wachsen nach und werden ebenso wie die täglich anfallenden Bioabfälle und Klärschlämme zur Energiegewinnung wiederverwertet. Zudem trägt das entstehende Biomethan zu einer neutralen CO 2 -Bilanz bei. Immer mehr Kommunen und Städte setzen daher auf die Erzeugung von Strom und Wärme mithilfe von modernen Gasanlagen. Im Braunschweig etwa werden auf dem Klärwerksgelände Steinhof des Abwasserverbands Braunschweig drei verschiedene Gasarten in zwei speziellen Behältern gesammelt, bevor sie in das Kraftwerk transportiert werden: Sie stammen aus dem Klärschlamm, aus den städtischen grünen Tonnen und aus einer Mülldeponie. Anschließend werden die Gase als Mischung mithilfe einer Druckerhöhung dem Blockheizkraftwerk zugeführt. Das Biogas, das dem Blockheizkraftwerk zur Stromgewinnung dient, fällt zwar an 24 Stunden am Tag an, doch ist der Strombedarf tagsüber höher als in der Nacht. „Daher werden die Gasspeicher in der Nacht befüllt und am Tag wieder entleert“, erklärt Stefan Rasehorn, der Abwassermeister der Stadtentwässerung Braunschweig. 17 Meter hoch ist der Gasbehälter und hat einen Durchmesser von rund 12 Meter. Er kann Gasmengen mit einem Volumen von 1500m 3 fassen. Das Prinzip dieses Behältersystems ist die drucklose Gasspeicherung: Erst nach der Speicherung erfolgt die notwendige Druckerhöhung mittels eines explosionsgeschützten Drehkolbengebläses. Aufgebaut ist der Gasspeicher aus zwei Teilen: einem aus gewebeverstärktem und biogasbeständigem Kunststoff bestehenden Speicherballon, der im Inneren an einer flexiblen Hängevorrichtung angebracht ist, sowie einem witterungsfesten Behälter aus verzinktem Stahl als Außenhülle. Ein spezielles Doppelfalzsystem sorgt dafür, dass die Wände stabil und sicher abgedichtet sind: Stahlbänder werden durch eine Falzverbindung so miteinander verbunden, dass im Behälter eine kantenlose und glatte Oberfläche entsteht. Der Speicherballon ist so dimensioniert, dass im gefüllten Zustand zwischen dem Behälter und der Folie ein Luftraum bestehen bleibt, wobei die Folie über Be- und Entlüftungsöffnungen ständig mit Luft umströmt wird. Das verhindert zum einen, dass die Folie übermäßigen Temperaturbeanspruchungen ausgesetzt ist, und zum anderen, dass im Fall von undichten Stellen ein gefährliches Luft-Gas-Gemisch entsteht. „Da sich der Ballon je nach Füllstand geordnet entfaltet beziehungsweise zusammenlegt, ist jederzeit eine zuverlässige Messung möglich“, ergänzt Rasehorn. Mithilfe eines speziellen Montageverfahrens konnten die Monteure den Behälter innerhalb von fünf Wochen auf dem Fundament seines Vorgängers errichten. Die aufgewickelten Stahlbänder (Coils) wurden entsprechend den Größenvorgaben vorgefertigt und zum Bauplatz geliefert. Vorgefertigt wurde zudem auch das Behälterdach. In einem weitgehend automatisierten Verfahren wurde der Behälter vor Ort aufgebaut.☐

Sicherheitskonzept: Ein Speicherballon ist im Inneren eines Stahlbehälters an einer Hängevorrichtung angebracht.
Vorgefertigte Module: Der Trockengasspeicher des Abwasserverbands Braunschweig wurde in fünf Wochen vor Ort montiert.

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