Erschienen in: Energy 2.0 Juli 2011, S. 43
Wind  |  

Größere Nabenhöhen, mehr Rotorfläche

Rainer Bröring, Geschäftsführer GE Wind im Gespräch mit Energy 2.0

Herr Bröring, 2010 trug die Windkraft etwa sechs Prozent zu der in Deutschland verbrauchten Strommenge bei, etwa ein Drittel der erneuerbaren Energien. Ist das aus Ihrer Sicht viel oder wenig?

Rainer Bröring: Das ist auf jeden Fall ein Beitrag, der noch auszubauen ist. Die Klimaziele sind ja deutlich höher gesteckt. Im vergangenen Jahr wurde über 1,5GW neue Windleistung installiert. Die Stromerzeugung hängt natürlich auch immer von den Windverhältnissen ab. 2010 hatten wir ein unterdurchschnittliches Ertragsjahr und hoffen, dass es dieses Jahr wieder mehr werden wird. Über die Jahre hinweg gibt es Schwankungen von etwa vier bis sechs Prozent.

Der Zubau 2010 war ja eher enttäuschend für die Branche. Was bremst den Ausbau?

2010 hat die Finanzkrise ihre Spuren hinterlassen, weil die Finanzierung lange Zeit unsicher war. Inzwischen erwarten wir wieder weiteres Wachstum. In Deutschland ist das onshore aber auch eine Frage der verfügbaren Flächen. Offshore haben wir ja nun mit Alpha Ventus ein Testfeld, aber bis solche Anlagen kommerziell im großen Stil genutzt werden können, ist noch ein weiter Weg.

Erwarten Sie denn nun nach der Katastrophe in Japan mehr Offenheit für den Ausbau von Windkraft in Deutschland?

Bereits vor Fukushima gab es ja in einzelnen Bundesländern größere Initiativen zum Ausbau der Windkraft, insbesondere in Nordrhein-Westfalen. Die neue Landesregierung ist dort angetreten, Windenergie an Binnenlandstandorten verstärkt auszuweisen. Da sind eine ganze Menge raumplanerische Verfahren angeschoben worden. Aber auch die Hersteller bieten heute Produkte mit größeren Nabenhöhen bis 130 oder 140Meter statt 100 Meter und größeren Rotorflächen, um auch an weniger windhöffigen Standorten Anlagen effizient betreiben zu können, etwa auch in Bayern.

Offshore ist die Entwicklung deutlich langsamer vorangekommen als geplant. Hat man sich da übernommen?

Nein, man muss mit solchen Teststandorten erst Erfahrungen sammeln, dafür sind sie ja da. Was man bisher etwa in Dänemark oder England installiert hat, war ja küstennah. Jetzt muss man mit größeren Wassertiefen und Entfernungen zur Küste Erfahrungen sammeln. Das ist eine riesige Herausforderung und eine Lernkurve, durch die die Industrie gehen muss.

Kann die maritime Industrie das Wachstumstempo mitgehen?

In diesem Sektor gibt es sehr rege Aktivitäten bei Werften, Schiffbau, Kabel- und Netzherstellern um auf diesen stark wachsenden Markt zu reagieren. Das war vor fünf oder zehn Jahren onshore ähnlich, wo es Krane, wie wir sie heute brauchen, auch noch nicht gab.

Mit wie viel Zubau bei der Windenergie rechnen Sie 2011?

Onshore erwarte ich 2011 und in den Folgejahren mehr als die im Vorjahr installierten 1,5GW. Offshore wird es einzelne große Projekte geben, aber es wird noch drei oder vier Jahre dauern, bis der Offshore- den Onshore-Ausbau übertreffen kann.

Sind Deutschlands Tage als große Windnation gezählt?

Nein, onshore hat Deutschland noch ein erhebliches Potenzial und der Offshore-Ausbau steht vor der Tür. Hier geht es darum, die Weichen zu stellen, die Technologieführerschaft, die Deutschland auch im Windbereich hat, offshore fortzuführen und weiter aufrecht zu halten.

Kann die Kleinwindkraft in Vorgärten und auf Hausdächern einen substantiellen Beitrag zur Stromerzeugung leisten?

Sie kann einen Beitrag leisten, aber sie löst nicht das Energieproblem, denn sie ist großen Anlagen in Effizienz und Wirtschaftlichkeit deutlich unterlegen. Deshalb muss das Rückgrat der Windstromversorgung aus größeren Windkraftanlagen erfolgen.☐

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